Wie Ayurveda seit 13 Jahren mein Leben begleitet

Es gibt einen Moment, auf den ich mich bei jeder Reise nach Kerala freue. Ich komme aus dem Flugzeug, spüre die warme, feuchte Luft und merke: Jetzt darf ich erst einmal ankommen.

Palmen und Liegestühle am Meer in Kerala

Die Arbeit ist noch nicht aus meinem Kopf verschwunden. Auch die Gedanken an alles, was zu Hause liegen geblieben ist, reisen eine Weile mit. Aber etwas wird schon ein wenig leiser. Ich bin wieder hier. Für die nächsten Wochen darf mein Tag einen anderen Rhythmus haben.

Seit 13 Jahren kehre ich für Ayurveda nach Indien zurück. Auch in Sri Lanka habe ich Kuren erlebt. Mehr als zwanzig sind es inzwischen geworden. Wenn mich jemand fragt, warum ich das immer wieder mache, denke ich an meine erste Reise. An die Zweifel am Anfang. Und an dieses Gefühl, als ich zum ersten Mal wirklich zur Ruhe kam.

Mit dieser Geschichte möchte ich „Mira lebt Ayurveda“ beginnen. Denn bevor ich hier über Behandlungen, Essen und kleine Rituale schreibe, möchte ich erzählen, wie Ayurveda überhaupt in mein Leben gekommen ist.

Meine erste Reise begann mit Erschöpfung

Im Oktober 2013 flog ich zum ersten Mal nach Kerala. Ich wusste damals wenig über Ayurveda. Eine Bekannte hatte mir von ihrer Kur erzählt, und ich hoffte, dass mir diese Auszeit guttun würde.

Zu Hause in Bayern war ich erschöpft. Morgens half mir Kaffee, in den Tag zu kommen. Tagsüber gab die Arbeit den Takt vor, gegessen wurde oft nebenbei. Abends fiel es mir schwer, abzuschalten. Ich schlief schlecht, meine Verdauung machte mir zu schaffen und mein Rücken war ständig angespannt.

Lange hatte ich mir eingeredet, dass das eben dazugehört. Man hat viel zu tun. Man hält durch. Man kümmert sich später um sich selbst.

Irgendwann merkte ich, dass dieses Später nicht von allein kommen würde.

Ich buchte die Reise mit vielen Fragen im Kopf. Was genau würde dort passieren? Würde ich mich darauf einlassen können? Und würde ich zwischen all den Palmen überhaupt zur Ruhe kommen, wenn mein Kopf weiterarbeitete?

Die Palmen waren da und die Ruhe ließ auf sich warten

Die ersten Tage fühlte ich mich ziemlich fremd. Um mich herum war dieses tropische Grün, ich hörte das Meer und lag während der Behandlungen auf einem schweren Holztisch. Warmes Öl, ungewohnte Abläufe, viel Zeit zum Stillliegen.

Mein Kopf machte derweil das, was er von zu Hause kannte: weiterdenken, hinterfragen, beschäftigen.

Ich erinnere mich an den Gedanken: Was mache ich hier eigentlich? Ich hatte mir Erholung gewünscht, aber wusste offenbar gar nicht mehr so recht, wie das geht.

Auch die erste ärztliche Konsultation war ungewohnt. Es ging um meinen Schlaf, meinen Hunger, meine Verdauung und darum, wie ich mich im Alltag fühlte. Das Gespräch blieb mir in Erinnerung, weil Dinge zur Sprache kamen, die ich selbst oft nur als lästige Begleiterscheinungen behandelt hatte.

Am vierten Tag veränderte sich etwas. Während einer Behandlung spürte ich, wie meine Anspannung nachließ. Ich musste gerade nichts organisieren, nichts beantworten und nichts zu Ende bringen. Ich konnte einfach liegen bleiben.

Dieser Moment war unspektakulär, wenn man ihn von außen betrachtet. Für mich war er viel. Ich hatte so lange funktioniert, dass sich Loslassen erst einmal ungewohnt anfühlte.

Danach wurde ich offener für die Kur. Die Fragen waren noch da, aber ich gab mir mehr Zeit, meine eigenen Erfahrungen zu machen.

Was mich bis heute zurückkommen lässt

Inzwischen sind mir viele Abläufe vertraut. Ich freue mich auf das warme Essen, die Behandlungen und die ruhigen Stunden dazwischen. Der Stirnguss ist eine Anwendung, die ich besonders mag. Wenn das warme Öl über meine Stirn fließt, wird mein sonst so geschäftiger Kopf oft erstaunlich still.

Genauso wichtig ist mir der Tagesrhythmus. Früher ins Bett gehen. Regelmäßig essen. Zeit für Yoga haben. Nach einer Behandlung ruhen dürfen, ohne schon wieder auf die Uhr zu schauen.

Zu Hause muss ich mir solche Pausen bewusst nehmen. Während einer Kur haben sie einen festen Platz.

Dabei sind diese Wochen nicht durchgehend angenehm. Ich habe bitteres Ghee getrunken, anstrengende Behandlungstage erlebt und mich zwischendurch gefragt, warum ich mir das eigentlich zumute. Das gehört zu meinen Erfahrungen dazu. Über intensive Kurverfahren möchte ich deshalb gesondert schreiben, mit genügend Raum für ihre Belastungen und die ärztliche Begleitung.

Auch emotional habe ich während der Kuren viel erlebt. Manchmal saß ich auf meiner Terrasse und musste weinen. Gefühle, für die im Alltag wenig Platz gewesen war, wurden plötzlich spürbar. Ich kann nicht sagen, was dabei genau welche Rolle gespielt hat. Die Ruhe, der Abstand zur Arbeit, die Betreuung und die Behandlungen kamen zusammen. Für mich war es erleichternd, diese Gefühle einmal zuzulassen.

Wenn ich nach einigen Wochen nach Hause fliege, fühle ich mich meistens ruhiger. Mein Rücken ist weniger angespannt und ich habe wieder mehr das Gefühl, bei mir zu sein. Dieses Erleben ist der Grund, warum ich zurückkehre.

Die wichtigste Veränderung begann zu Hause

In den ersten Jahren dachte ich oft: Jetzt habe ich mich gut erholt, jetzt kann ich wieder loslegen. Und dann machte ich zu Hause ziemlich schnell weiter wie zuvor.

Die Termine waren wieder da. Die E-Mails auch. Pausen wurden kürzer, der Schlaf später und das Essen wieder nebensächlicher. Irgendwann fragte ich mich, wie lange die Ruhe aus einer Kur wohl halten könnte, wenn ich ihr im Alltag so wenig Platz ließ.

Heute gehört Ayurveda für mich deshalb auch zu den ganz gewöhnlichen Tagen in Bayern.

Ich esse häufiger warm, weil ich merke, dass mir das gut bekommt. Warmes Wasser begleitet mich durch den Tag. Ich versuche, früher schlafen zu gehen, und nehme mir manchmal vor dem Duschen Zeit für eine Selbstmassage mit Öl.

Vor allem achte ich eher darauf, wann ich wieder zu viel von mir verlange. Wenn ich abends nicht abschalten kann oder ständig gereizt bin, nehme ich das ernster als früher.

Diese Gewohnheiten machen meinen Alltag nicht stressfrei. Aber sie helfen mir, mich zwischendurch um mich selbst zu kümmern, statt damit bis zur nächsten Reise zu warten.

Warum ich „Mira lebt Ayurveda“ schreibe

Nach 13 Jahren gibt es vieles, das ich teilen möchte. Wie sich eine erste Kur anfühlen kann. Was ich in Indien und Sri Lanka erlebt habe. Welche Routinen ich mit nach Hause genommen habe und was davon tatsächlich in meinen Alltag passt.

Ich möchte auch über die weniger schönen Seiten schreiben: über Zweifel, anstrengende Tage und die Frage, wie man nach einer Auszeit wieder zu Hause ankommt.

Dabei erzähle ich von meinen Erfahrungen. Was mir guttut, muss für einen anderen Menschen nicht dasselbe bedeuten. Meine Begeisterung für Ayurveda ist auch kein Versprechen, dass eine Kur Beschwerden heilen kann oder medizinische Behandlung ersetzt.

Für mich hat sich mit Ayurveda vor allem verändert, wie ich auf mich selbst achte. Ich höre eher hin. Ich merke schneller, wenn ich Ruhe brauche. Und ich habe gelernt, dass ich mir diese Ruhe auch zugestehen darf.

Darum fahre ich immer wieder hin. Und darum beginnt dieser Blog mit meiner ersten Reise.

Schön, dass du hier bist.

Mira

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